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Montessori Pädagogik

Welche Methoden beinhaltet die Montessori-Pädagogik?

15 May, 2023

Welche Methoden beinhaltet die Montessori-Pädagogik?

Ergeben 1, 2 Montessori-Methoden schon eine Montessori-Pädagogik?

Nicht wirklich. Wie so oft, ist auch hier die Summe mehr als ihre Teile. Alle isolierten Methoden der Montessoripädagogik mögen effektiv und hilfreich sein, aber der Geist von Montessori weht nur dort, wo eine Einrichtung sich ganz den Leitlinien dieser Pädagogik verschreibt. Montessori gibt es unverfälscht und authentisch eben nur, wenn es auch aus einem Guss ist. Dennoch können einzelne Elemente aus der Montessoripädagogik durchaus den pädagogischen Alltag in einer Regel-Einrichtung bereichern.

 Die wichtigsten Methoden der Montessoripädagogik sind:

 

Die Selbständigkeit des Kindes

Selbständigkeit ist bei Montessori nicht nur ein hohler Begriff. Sobald ein Baby auf die Welt kommt, kann seine Selbständigkeit gefördert werden. Will ich meinem Baby jede Anstrengung ersparen oder will ich ihm eine möglichst selbstbestimmte Entwicklung ermöglichen? Montessori-Kinder können sich selbst anziehen, den Tisch decken oder eine Brotzeit zubereiten in einem Alter, in dem andere Kinder oft gar nicht auf die Idee kommen. „Hilf mir, es selbst zu tun“ ist der wohl meistzitierteste Ausspruch von Maria Montessori. Er meint auch, dass Kind auf seiner Reise in die Selbständigkeit nicht alleine zu lassen, sondern ihm immer wieder zur Seite zu stehen, wo es unsere Hilfe braucht.

 

Die Freiarbeit

Die Freiarbeit ist ein wichtiger täglicher Bestandteil einer Montessorischule. Dabei können die Kinder selbst entscheiden, woran sie alleine oder in einer kleinen Gruppe arbeiten wollen und die meistens auch eigenverantwortlich tun. Die LehrerInnen oder LernbegleiterInnen werden dabei zu aufmerksamen Beobachterinnen, die unterstützen, wo es nötig ist und für Fragen zur Verfügung stehen. Das individuelle Arbeiten im Klassenverband erleben die Kinder oft als sehr beglückend, da sie einerseits frei arbeiten können, andererseits aber nicht auf die Gemeinschaft ihrer Klasse verzichten müssen. Die Freiarbeit ist auch das Zeitfenster, in dem selbständig geforscht und getüftelt werden kann. Die SchülerInnen lernen, sich eigenständig Wissen anzueignen und dabei analoge und digitale Medien zu nutzen.

 

Die Polarisation der Aufmerksamkeit

Die Polarisation der Aufmerksamkeit meint den Idealzustand des spielenden/lernenden/arbeitenden Kindes. Eine beglückende Versenkung in eine selbstgewählte Tätigkeit, die dem modernen Wort „Flow“ entspricht. Die ganze Montessoripädagogik baut darauf auf, dem Kind diesen hochkonzentrierten, gesammelten und intensiven Zustand zu ermöglichen. So findet effektives und nachhaltiges Lernen statt.

 

Die vorbereitete Umgebung

Die vorbereitete Umgebung wird auch oft auch als der dritte Pädagoge bezeichnet. Tatsächlich lenkt ein Raum mit hohem Aufforderungscharakter stark das Verhalten der Kinder. Offene Regale auf Augenhöhe, geordnete Materialien und vorbereitete Arbeitsplätze animieren die Kinder, sich aus eigenem Antrieb mit dem Unterrichtsstoff zu beschäftigen.

 

Das Montessorimaterial

Die vorbereitete Umgebung funktioniert nur, wenn sie konkret mit Montessorimaterial gestaltet wird. Dieses Material hat wiederum einige typische Eigenschaften:

Es ist in nahezu allen Fällen aus Holz

Es ist konkret, vor allem in der Mathematik

Es bietet eine integrierte Fehlerkontrolle

Es ist haptisch, so dass das Kind von Greifen zum Begreifen gelangt

Es zeigt eine Isolierung der Schwierigkeit, also die konzentrierte Reduzierung auf ein Thema

Nicht alle Materialien, die sich “Montessorimaterial” nennen, haben diesen Namen auch verdient. Oft sind sie aus Plastik oder stellen eine unpädagogische Überreizung dar. Vergleichen sie einmal die genannten Kriterien, dann werden sie selbst herausfinden, was echt ist und was nicht.

 

Die Sensiblen Phasen

Die sensiblen Phasen beschreiben Lebensabschnitte, in denen Kinder, nach ihrem eigenen Bauplan, besonders leicht und nachhaltig lernen können. Es gibt also Zeitfenster, in denen beispielsweise das Schreiben besonders leicht von der Hand geht. Diese Fenster können aber sehr individuell sein, sodass die LernbegleiterInnen weniger die Unterrichtsinhalte bestimmen, sondern eher Anreize schaffen, die das Kind zum Lernen animieren.

 

Diese Aufzählung könnte noch lange fortgesetzt werden. Auch der Freiheitsgedanke, die Ganzheitlichkeit und die freundschaftliche und entspannte Lern-Atmosphäre sind Merkmale gelebter Montessoripädagogik.Bleibt noch zu sagen, dass das montessorische Gedankengut nicht nur auf einem Plakat im Eingangsbereich der Einrichtung geschrieben stehen sollte. Jeder Pädagoge und jede Lernbegleiterin sollten es im Idealfall verstanden und verinnerlicht haben. Und auch die Eltern sollten mit ins Boot geholt werden, damit sie verstehen, was ihr Kind erfährt. Erst dann wird der Montessori-Gedanke in einer Einrichtung ganz und gar lebendig.

 

Autorin: Marie Laschitz                                                  Bildnachweis: Shutterstock/Rawpixel.com

 

 

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